Corona – DAS Interview

Hallo Frau Doktor M. Erst einmal herzlichen Dank, dass Sie uns für ein Interview zum derzeit alles verschlingenden Thema Covid-19 zur Verfügung stehen. Sie wollen anonym bleiben. Warum eigentlich?

Dr.M.: „Nun ja, das Thema ist in aller Hunde..äh..Munde und überall sprießen Verschwörungstheorien, Vermutungen und wilde Fantasien. Wer in der Situation mit bloßen Fakten aufwartet und zur Besonnenheit mahnt, gilt schnell als fahrlässig. Dem setze ich mich nicht gern aus.“

Verständlich. Dann mal direkt zur Sache. Das Virus hat uns in Europa lahm gelegt und sowohl Wirtschaft, als auch gesellschaftliches Leben ins Koma versetzt. Wohin man hört, die Deutschen sind in Angst und großer Sorge. Wie ist Ihre Einschätzung dazu?

Dr. M. schaut seelenvoll in die Ferne.

„German Angst ist ja ein bekanntes Phänomen. Wie Sie wissen, stamme ich gebürtig aus Osteuropa. Ungarn, um genau zu sein. Geographisch zwar Europa, doch dort sind die Verhältnisse diametral anders als im verwöhnten Norden des Kontinents. Kinderarmut, hungernde Straßenköter, ein schon vor Corona dramatisch marodes Gesundheitssystem, dazu ein soziales Netz, das an sich nur aus Löchern besteht. Glauben Sie mir: in Deutschland sitzt man derzeit sehr komfortabel isoliert auf der gut gepolsterten Couch und gruselt sich recht kommod.“

Wollen Sie die Gefahr des Virus damit herunterspielen?

Dr. M. kratzt sich genüsslich hinterm Ohr.

„Entschuldigen Sie. Ein Zeckenbiss. Juckt scheußlich. Nein, keinesfalls. Natürlich ist eine Infektion kein Kinderspiel. Wenn Sie Pech haben, sterben Sie daran. Übrigens auch an Zeckenbissen. Denken Sie an Borreliose oder Hirnhautentzündung. Leben ist immer lebensgefährlich. Ich halte es schon für klug, Maßnahmen zu ergreifen, um die Ansteckungswelle flach zu halten. Da ist halt derzeit mal nicht high life angesagt.“

Sie hält inne und starrt eine Wespe an. Leckt sich über die Lippen.

„Unnötige Risiken zu meiden, ist sicher ein guter Rat.“

Blitzschnell springt sie auf und schnappt sich den schwarz-gelben Brummer, spuckt ihn aus, klatscht mit der Pfote drauf und vertilgt das Insekt. Das trockene Knuspern jagt mir Schauer über den Rücken.

„Hach…der Stachel ist immer das Beste“, schwärmt sie. „Wo war ich? Ach ja. Risiken. Die gehören zum Leben dazu. Leider. Oder auch zum Glück, denn nur, wenn man zwischendrin mal spürt, richtig fühlt, wie hart das Leben sein könnte, ist man später vielleicht auch wieder dankbar für den ganzen Luxus. Ich weiß, wovon ich spreche. Immerhin wurde ich nicht hier am grünen Kotten geboren. Mir wurde der ganze Pomp hier nicht in die Wiege gelegt.“

Ihr Blick fällt auf den im Sonnenlicht dahin plätschernden Bach, doch ich ahne: sie denkt an die hungrige Zeit auf Ungarns nassen Straßen und an kalte, einsame Nächte. Obwohl…einsam wird sie wohl eher nicht gewesen sein, bedenkt man, wie viele Blagen sie intus hatte, als…doch ich rufe mich selbst zur Ordnung.

Weise Worte, Doc M. Noch eine Frage: was hilft Ihrer Meinung nach gegen all die Besorgnis und Panik?

„Selbständiges Denken auf Grundlange soliden Wissens. Jeder sollte sich gut informieren, und zwar nicht nur politisch dreimal gefilterte Meinungen anderer wiederkäuen. Das hilft immer. Nicht nur bei Corona. Glauben Sie mir!“

Sie steht auf, streckt sich und trabt auf die Wiese, wo sie sich im Gras wälzt. Ihr geliebter Prinz stürzt sich auf sie und leckt ihr ausführlich über die Nase.

Ich stelle mir vor, wie eine Zillion Viren und Bakterien dort grad Überstunden schieben.

Aber glücklich sehen die beiden aus.

Offenbar ein Risiko, das es wert ist.

2 Kommentare zu „Corona – DAS Interview

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