Weiberheld

“Einen schönen Mann hast Du nie für Dich allein” – so die Warnung meiner lieben Großmutter. Und außerdem meinte sie, Weiber könnten zu Hyänen werden.

Mit Blick auf meinen formschönen Mitbewohner möchte ich ihr natürlich unumwunden Recht geben, allerdings ist Gatte ein anständiger Kerl, der den Verlockungen der Sirenen wiedersteht.

Meistens.

Hoffe ich.

Ganz anders ist da der schnittige Prinz Polen, der sich der Strahlkraft seiner feurigen Augen und der Wirkung seines geschmeidigen Sportlerkörpers völlig bewusst ist. Mehr als das: Er sonnt sich stets in der warmen Sonne der Aufmerksamkeit, die ihm von weiblicher Seite zuteilwird.

Männer streifen ihn meist nur mit einem abschätzigen Blick.

„Fußhupe“, schnauben sie verächtlich, doch tief drin wissen sie ganz instinktiv: der Kleine da – der ist eine echte Gefahr für die Herzen ihrer Frauen.

Grad gestern wandere ich allein mit Fritz über die Höhen des Bergischen, als uns eine winzige Pinscherin entgegentrabt. Verzückt schnuppert sie an des Prinzen Popo (und der ist knackig, holla!), bis ihr Frauchen uns erreicht. Die etwas reifere Dame hat einen Gefrierbeutel in der Hand, darin etliche Wiener Würstchen. Fritz macht „sitz“ und schenkt der Herrin der Wurst einen betörenden Blick. Der Wind zerzaust ihm verwegen sein lackschwarzes Haar und schon produziert die Dame helle Quietschtöne der Verzückung.

„Ja, Du süßer Knopf! Die Würstchen sind für meine Raben, aber Du hast wohl Hunger….?“

Ich befasse mich nur kurz mit dem Gedanken, warum im Bergischen offenbar Raben gefüttert werden, dann aber denke ich an den Riesennapf mit Fleisch, den Fritz zum Frühstück vertilgt hat. Außerdem an die Käsestulle, die unglücklich herunterfiel, aber den Boden nie berührte, da der Polenkracher schneller war.

Hunger. Sicher.

Der Kleine hat Hunger.

Doch bevor ich etwas sagen kann, richtet Fritz sich auf, sitzt da wie ein Erdmännchen und setzt seine Wunderwaffe ein. Er legt den Kopf schräg und guckt.

So süß, dass man glatt Diabetes bekommen könnte.

Wurstwoman röchelt. „Darf er was haben?“

Ich überschlage die Wahrscheinlichkeit, dass die nette ältere Dame eine Art bergische Lucrezia Borgia (jaha…ruhig mal googeln!) ist und nette, kleine Mischlinge vergiftet. Sie erkennt mein Zögern, addiert blitzeschnell 1 und 1, greift in die Tüte und hält ihrer Hündin ein Stück Wurst hin. „Na, Paula, nimm Du mal zuerst.“

Bevor noch Pinscher Paulas Lippen das Wienerle berühren, hat Fritz kurzen Prozess gemacht. Schnapp…weg ist die Wurst und direkt wechselt er wieder in die „guck wie süß ich bin“ Rolle. Wenn nun Rattengift im Würstel war, kann ich es auch nicht ändern.

Wurstwoman schmunzelt. „Du hast aber großen Hunger. Darf er noch was?“

Ergeben nicke ich. Immerhin bleibt mir so die Peinlichkeit erspart, dabei zuzusehen, wie Prinz Polen ihr einfach die Tüte aus den Händen reißt und niedermacht.

Sie füttert und füttert. Fritz schluckt.

Wurstwoman bedenkt ihn mit verliebten Blicken und allerlei zärtlichen Worten. Offenbar ist einfach alles an ihm süß. Sogar der Name. Hach. Sogar Paula schaut hingerissen dabei zu, wie mein Herzensbrecher ein halbes Schwein vertilgt.

Ein hässliches, warzennarbiges Monster schlägt währenddessen seine scharfen Krallen sachte in meine Eingeweide.

Eifersüchtig? Ich?

Nein. Hier geht es um die Wurst.

Als die Tüte leer ist, schleckt Polski sich noch einmal über die wohlgeformten Lippen und wendet sich brüsk ab. Mission complete – Zeit, endlich weiterzugehen, sagt sein ungeduldiger Blick unmissverständlich.

Ich wechsele halbherzig noch einige freundliche Worte mit Wurstwoman und gehe weiter. Ein paar hundert Meter weiter kommen uns drei fröhliche Wanderinnen entgegen. Fritz spitzt direkt die Ohren und hebt den Kopf.

Ich leine ihn an. Genug Wurst und absolut genug niedliches Getue für heute.

Die drei lächeln flauschig beim Anblick des schwarzen Pelztiers. Aha, denke ich, man sieht also leicht bescheuert aus, wenn man von jemandem völlig begeistert ist.

Fritz wirft sich in seine stattliche Brust und zieht mit aller Macht seiner 10 Kilo zu den Mädels, die allesamt seiner Anziehungskraft verfallen.

„Nix da, Fritz, weiter geht’s“, knurre ich und gebe Gas.

„FRITZ heisst er – ach das ist ja nieeeedlich!“ höre ich es hinter mir kreischen.

Hysterische Weiber.

Oma hatte wie immer Recht.

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