Hündchenschema – Typisch 2

Als Schauspieler hast Du immer versägt, sobald Tiere oder Blagen ins Bild kommen.

Das Kindchenschema sorgt dafür, dass Du im Vergleich plump und blöde wirkst. Schlaue Werbefritzen wissen schon lange: entweder, Du lässt eine verheißungsvolle Blondine für Dein Produkt werben oder zumindest ein niedliches Kind, das mit einen wuscheligen Köter über eine Blumenwiese tollt.

Zumindest, sofern Du nicht grad Hämorridensalbe unters Volk bringen willst, ist das immer eine gute Idee. Die Kehrseite (haha, Brüller im Zusammenhang zur obigen Salbe, oder?) ist, dass allgemein jeder davon ausgeht, Hunde und Kinder seien ausnahmslos kompatibel.

Die gute Nachricht vorweg: sind sie auch.

Meistens jedenfalls.

Dann aber die schlechte Nachricht: den typisch kinderlieben Hund, die per se kinderliebe Rasse gibt es nicht.

Es gibt nervöse Hunde und welche mit sprichwörtlich dickem Fell ebenso wie tolle und freundliche Kinder. Leider gibt es auch andere Kinder. Nein, diese nervtötenden Blagen können in seltensten Fällen etwas dafür, dass sie ihre Umwelt drangsalieren. Ebenso wenig können kläffende, zwickende Köter etwas dafür, dass ihnen niemand Gehorsam beigebracht hat.

Aber die Umwelt muss dennoch mit beiden klarkommen.

Im schlimmsten Fall trifft ein verzogener Chihuahua (ehrlich, ich nehme die Rasse nur, weil ich angeben will, weil ich die Orthographie beherrsche!), der die meiste Zeit seines sinnlosen Daseins auf Frauchens Schoß verbringt auf eine bekloppt brüllende Blage, der noch niemals jemand eine Grenze von ferne aufgezeigt hat.

Das Ganze findet idealerweise statt in einem total schicken Café in der Düsseldorfer Innenstadt, wo ein popliger Pott Milchkaffee „Grande Latte doppio“ heißt und den Gegenwert eines Reihenhauses in Castrop-Rauxel kostet.

Wenn da also der kleine Konrad mit seinen Designerbotten (jawoll, kein Mensch nennt seinen Sohn heute noch Stefan) versehentlich oder mit voller Absicht auf die manikürten Pfoten von „Coco Chanel von Buxtehude Castle“ (jaja: Rasseköter heißen inzwischen nur noch wie Selebritties) trampelt, wird er mit großer Wahrscheinlichkeit Bekanntschaft mit kleinen, spitzen Zähnen der Töle machen.

Heia Safari. Dann geht’s los.

Muss aber so nicht sein.

Wer es richtig machen und sein Kind mit einem Hund aufwachsen lassen möchte, um ihm all die schönen Erfahrungen zu bieten, die ein Kind eben nur mit einem Vierbeiner machen kann, der macht sich zuvor am besten einige Gedanken.

Die Frage, ob lieber Hund oder Kind zuerst da sein sollte, wird in vielen Fällen von der Realität schlicht dahingefegt.

Manchmal ist eben der Hund einfach schon da.

Dann kommt ein Kind dazu und so müssen eben alle miteinander klarkommen. Wohl dem, der seinem Hund schon beigebogen hat, dass er eben nicht der goldene Nabel auf Gottes schöner Erde ist. Genau dieses Wissen macht es übrigens später auch dem Kind im Leben leichter.

Manchmal ist es auch anders herum und zu den hoffentlich wohlgeratenen Kindern kommt ein Hund ins Leben. Beides kann wirklich prima laufen, beides haben wir als Züchter schon mehrfach erlebt.

Wer seinen gesunden Menschenverstand nicht völlig abgegeben hat, der merkt schnell, dass ein nasser Hundekuss zwar Milliarden Bakterien im Kindergesicht hinterlässt, aber die Seele um ein Vielfaches stärkt.

Umgekehrt hat schon mancher Köter versehentlich ein Spielzeugauto auf die Rübe bekommen, ohne deshalb direkt zum Kinderhasser zu werden.

Der Schlüssel ist wie immer: die Dosis macht das Gift.

Wer etwa seinem 12 Jahre alten Hund eine Horde kreischender Besuchsblagen zumutet, die (aufgeputscht durch Geburtstagstorte, Fanta und Schokolinsen) mal ausprobieren will, ob Kopfschlagen nicht amüsanter ist als Topfschlagen, darf sich getrost als Tierquäler fühlen.

Selbst wenn der gemarterte Hund das stoisch erträgt, ist das wirklich kein Grund zur Freude. Man kann dem Tier auch einfach seine Ruhe z. B. in einem abgelegenen Raum gönnen. Das hat mit „wegsperren“ nichts zu tun, sondern ist aktiver Tierschutz.

Immer wieder liest man von Hunden, die besonders „familienfreundlich“ seien. Nun ist nachvollziehbar, dass z. B. ein Zwergschnauzer (sagen wir 8kg) von einem Kind im Vergleich leichter besser an der Leine geführt werden kann als etwa ein Riesenschnauzer mit rund 40kg. Wenn aber zur reinen Masse des Hundes eine weitere Masse hinzukommt…sagen wir…eine 5kg Katze auf der anderen Straßenseite, die der Zwerg schon immer abgrundtief gehasst hat….

Siehste. Mal wieder ein echter Fall von „es kommt darauf an“.

Eine sportlich aktive Familie mit 4 Kindern, bei der jeden Tag Rambazamba ist, kommt vielleicht tendenziell mit einem Terrier besser zurecht als mit einem Mops. Andererseits kannte ich da einen Mops, der vor Unternehmenslust und Unfug sprühte. Da war die geruhsame, ältere Dame offenbar ein klein wenig überfordert, als sie im Wald ihrem haarigen Flummi hinterherhechtete…

Also – welcher Hund soll es sein?

Ganz ehrlich: ein gut geprägter Welpe beliebiger Rasse oder Mischung, der in eine Familie mit vernünftigen Eltern und freundlichen Kindern kommt, wird bei entsprechender Erziehung fast immer ein prima Hund. Und ein prima Hund, der Grenzen kennt, Vertrauen zu seinen Mensch hat und der einfach das Leben der Familie teilt – der ist am Ende auch ein „Kinderhund“.

So einfach ist das.

Auf dem Foto übrigens zu sehen: Laura. Bestens durch ihre Eltern auf Hunde, Katzen und nette Menschen geprägt. Solche Kinder sind eine Freude und gar nicht mal so selten.

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