Die Osteuropa-Connection

Was immer auch die Großen der Politik sagen: Es ist kein Geheimnis, dass Banden aus Osteuropa in Deutschland aktiv sind. Meist geht es um Einbrüche, schnell rein und wieder raus. Zurück bleibt Verwüstung.

Nun sind auch wir zum Opfer geworden.

Unsere Kräuterschnecke wurde vor Jahren liebevoll gestaltet, bepflanzt und gehegt. Davon ist allerdings nichts mehr zu sehen. Öd und leer starrt mich die blanke Erde an. Wo es einst grünte und blühte, wo Thymian sich an Rosmarin schmiegte und der mediterrane Duft eine Idylle vorgaukelte ist nun…nichts. Eine einsame Ranke der ehemals unkrautig wuchernden Minze reckt sich müde dem Himmel entgegen.

Mehr ist nicht.

Während ich da in meiner Verzweiflung ein Tränchen aus dem Augenwinkel wische, höre ich ein Knurren. Nicht Fritz, nicht Möhrchen. Der Mann, der seit einiger Zeit beim Rasenmähen metertiefe Krater umrunden muss.

„Das muss aufhören. Sonst dreh ich dem kleinen Mistvieh den Hals um.“

Oha. Das hätte ich niemals gedacht. Immerhin liebte der Mann seine Strassenprinzessin doch so inniglich. „Nun sei nicht so hart. Ihr liegt das Buddeln halt im Blut.“

Sicherheitshalber weiche ich unmerklich ein wenig zurück und beobachte interessiert, wie die Schlagader an des Gemahls Hals zu pulsieren beginnt.

„Du willst das ernsthaft dem Möhrchen in die Schuhe schieben? Wo eindeutig Dein Terrorkrümel seit Wochen unermüdlich auf die Kräuter pisst, die Schnecke umgräbt auf der Suche nach Mäusen und tagtäglich wie Prinz Koks darauf thront? Ich glaub, ich spinne!“

Er hat sich in Rage geredet. Ich stelle fest, dass der gerötete Teint ihm ganz gut steht.

„Na ja. Kann schon sein, dass Fritz mal hier und da auf die Schnecke klettert. Aber….“ , ich weiche noch etwas weiter aus der Reichweite seiner Hand, die bedrohlich eine Astschere schwenkt „der Kleine kann ja unmöglich dafür verantwortlich sein, dass die ganze Schnecke quasi in sich zusammengefallen ist. Jeder einzelne Stein wiegt ja mehr als Fritz. Ne Du, da musst Du schon den Tatsachen in ihr ungarisches Pelzgesicht schauen.“

Bevor ich Luft und weiter ausholen kann, flitzt etwas kleines Schwarzes an mir vorbei, hoppst elegant auf die Schneckenruine. Mit entzückenden, zarten Pfoten lässt Fritz sich auf dem Haufen aus Erde und Steinen nieder.

„Süß, oder? Jetzt siehst Du selbst: er war das nicht.“

Der Bart meines polnischen Prinzen ist dreckverkrustet und ich überlege, wie ein geschicktes Ablenkungsmanöver die Situation retten kann. Doch da fliegt schon die 30-Kilo-Lösung heran: Möhrchen hat den irren Blick und stürzt sich mit Eifer in den ehemaligen Kräuterhain. Sie buddelt, gräbt, schnaubt und Brocken fliegen, dass es eine Freude ist.

„Ganz klar: da sind Mäuse drin. Da muss sie ja was tun.“ erklärt ihr größter Fan ungerührt.

In guten wie in schlechten Zeiten heißt es immer.

Zwar bin ich in keiner Kirche gewesen, um das zu schwören, aber immerhin haben der Gemahl und ich in 30 Jahren so einiges erlebt. Wer hätte gedacht, dass diese Osteuropa-Connection mit 8 Beinen uns dermaßen in die schlechten Zeiten führt?

Auf Instagram sehen die Gartenmuttis immer wie aus dem Ei gepellt aus. Keine Kraterlandschaften im Gras. Keine in die Knie eingearbeitete Erde. Immer tippi-toppi gestylt und immer liebe Hunde und Katzen. Leider wohnen wir nicht in Instragram, sondern im Bergischen und da sind nun also Maßnahmen gefragt, um Schlimmeres zu verhindern.

Natürlich könnte ich die Hunde erziehen, wär doch gelacht! Nur…leider habe ich weder Zeit noch Lust, ständig hinter den Beiden herzulaufen, um die Einhaltung des Kräuterschneckenverbots zu kontrollieren.

Also kaufe ich einen Zaun.

Lege die Schnecke neu an.

Pflanze frische Kräuter.

Bitte den Gatten um Hilfe.

Wieder höre ich dieses Knurren. „Wenn Dein Mistbock da drüber springt und so weitermacht wie bisher, drehe ich ihm den Hals um. Geht ganz fix.“

Finster grolle auch ich. „Vermutlich ist Deine Strassenprinzessin die Erste, die meine schönen, neuen Kräuter ausgräbt. Dann gnade ihr Gott.“

Es wird also ein hübscher, kleiner Holzzaun gezogen. Rund um die Schnecke. Nebenan recken die Nachbarn die Hälse und tippen sich an die Stirn. Wer verbaut schon auf seinem eigenen Gelände einen Zaun? Die spinnen, die Nachbarn.

Heimlich schwöre ich mir, die Osteuropa-Connection demnächst mal bei Nacht und Nebel in deren pervers-perfekten Garten zu lassen, damit dort übelst marodiert und gebrandschatzt wird.

Das Zäunchen steht und ich lobe den Gatten. „Hast Du toll gemacht. Sieht echt gut aus.“

Sein scharfer Seitenblick ist körperlich wie ein Kratzen auf der Haut spürbar. „Gut? Ein Zaun mitten auf dem eigenen Rasen? Na ja.“

Fritz und Möhrchen haben dem Treiben interessiert zugeschaut. Der Pole schnuppert an den Planken und wirft mir einen fragenden Blick zu. „Was soll DAS denn? Die Schnecke ist kaputt!“

Die Möhre zupft von oben nachdenklich am Dill herum und fährt zusammen, als ich sie (ganz herzlich gemeint) anbrülle „lass die Kräuter in Ruhe, sonst fülle ich Dich damit und Du kommst auf den Grill.“

Gatte sagt nichts. Muss er auch gar nicht. Er holt den Römertopf aus dem Schrank und misst Fritz‘ Rückenlänge ab. Ich schnappe nach Luft und will grad loslegen, als er mich beruhigt.

„Keine Sorge, Schätzchen. Ich setz den Zaun ab morgen einfach unter Strom. Dann ist Ruhe. So oder so.“

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