Fritz the Cat

Das Dolle am Hund ist ja, dass

ein jeder so seinen eigenen Charakter hat. Möhrchen zum Beispiel ist ein echter Sonnenschein und außerdem „everybody’s darling“.

Wohin sie auch kommt, alle finden sie irgendwie süß.

Bei Fritz ist das etwas anders.

Den finden auch alle erst mal quietscheniedlich, aber dann glauben die meisten Leute, kleine Hunde fahren voll darauf ab, auf den Arm genommen zu werden.

Ist aber ein Trugschluss.

Fritz ist ein echter Kerl und hasst es, wenn Hans und Franz ihn abbusseln wollen. Er zeigt das auch deutlich durch unwillige Laute und wenn das nicht hilft, schnappt er durchaus mal in die Luft.

Die empörten Blicke der entsetzen Leute, die dann grad nochmal mit dem Leben davon gekommen sind, quittiere ich gern mit Schulterzucken. Mehr als es vorher„sagen“ kann er nicht.

Kennt noch jemand „Fritz the Cat“? Das ist ein arbeitsscheuer, zwielichtiger Geselle, der in Comics sein Unwesen treibt.

Unser Fritz hingegen ist ein ganz putziger, kleiner Kerl. Er hat sich prima eingelebt am Kotten und je länger er hier ist, desto mehr verstehe ich: kleine Hunde sind eben doch richtige Hunde. Nur kleiner.

Eben ein Konzentrat.

Allabendlich gegen 22.00h allerdings schnallt Friedrich seinen Colt um und begehrt Auslauf. Dann patroulliert er mit flatternden Ohren durch den Garten und bleibt so etwa eine gute halbe Stunde verschwunden.

Was genau der polnische Prinz dann so tut, bleibt sein Geheimnis.

Blieb zumindest sein Geheimnis. Bis neulich.

Es ist stürmisch im Bergischen und das Kaminfeuer prasselt gemütlich, als Fritz vom Sessel springt, sich reckt und den Patronengürtel umschnallt.

„Lass mich raus, Weib“, verlangt sein verwegener Blick.

Gehorsam erhebe ich mich und gehe zur Tür.

Schon flutscht er an mir vorbei und will in die Nacht verschwinden, als direkt am Tor ein Klackern zu hören ist.

Fritz stutzt. Ich auch.

Der Gatte hat am Tor eine Mausefalle scharf geschaltet und da er aus leidvoller Erfahrung gelernt hat, ist diese mittels Draht angebunden.

Eine unglückliche, kleine Kreatur ist im Klappmechanismus gefangen. Leider hat es nur ihre Nase erwischt und statt vorschriftsmäßig fix den Löffel in hohem Bogen abzuwerfen, sitzt sie nun fest. Mit schwarzen Knopfaugen sieht sie mich flehentlich an.

„Das zwickt ganz schön doll! Kannst Du mich bitte zu Onkel Horst bringen? Ist doch bald Weihnachten…“

Die Tür steht offen, ebenso wie mein Mundwerk – für einen Augenblick bin ich tatsächlich sprachlos.

Nicht so Fritz. Er macht einen beherzten Schritt auf das Grautier zu, zupft an ihr und…befreit sie. So schnell geht das Ganze, dass ich es kaum fassen kann. Was für ein guter Kerl!

Das Mausetier löst sich aus der Schockstarre und will mit gekränkter Würde in die Freiheit fliehen.

Leider hat sie diese Rechnung ohne Fritz the Cat gemacht.

Blitzschnell stürzt er sich auf sie und…knack…macht dem vermeintlichen Leiden ein Ende. Mausetot. Nix da mit Onkel Horst.

„Die ist hin“, knurrt der schwarze Killer und spuckt auf den Boden. „So Baby, nun muss ich aber los. Da warten noch ein paar heiße Mäuse auf mich unterm Holzstapel.“

Er schüttelt sich lässig, bis seine Barthaare verwegen abstehen und trabt in die Finsternis.

Ich schrecke zusammen, als Gatte hinter mir auftaucht.

„Hab ich mir gedacht, dass Prinz Polen der geheimnisvolle Killer ist. Liegen überall tote Mäuse hinten im Garten.“

„Was? Und das sagst Du erst jetzt…?“

„War nicht ganz sicher. Hätte ja auch ne Katze sein können. Erspart mir aber eine Menge Arbeit.“ Gatte zuckt mit den Schultern und für einen Moment glaube ich fast, auch er würde auf den Boden spucken. Völlig unbeeindruckt, dass ein eiskalter Mörder unter unserem Dach haust.

Pünktlich um 22.30h steht der schwarze Rächer an der Terrassentür. Ich öffne und er hopst auf seinen Hocker vorm Kamin. Kurz bevor er einschläft, kneift er mir noch ein Auge zu.

„Sei beruhigt, Baby, ich hab für Frieden am Kotten gesorgt. Keine Maus soll Dir heut Nacht die Ruhe rauben.“

Dann schläft er, schnarcht ein wenig und mir bleibt die Erkenntnis, dass wahre Größe keine langen Beine braucht.

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