Liebe ist wie ne Krankheit…

…die sucht man sich nicht aus und wird sie schwer wieder los.

Es ist knapp ein Jahr her, dass die Straßenprinzessin hier ein- aber nie wieder ausgezogen ist. Listig und gewieft hat sie sich in des Gatten Herz geschlichen. Das Fiee hat sich mit diesem kleinen, dicken Italiener verbrüdert, der für seine Treffsicherheit mit Pfeil und Bogen bekannt ist. Amor hat also seine giftig-süßen Pfeile zuhauf in des Mitbewohners Seele geschossen und so war meine Meinung dazu absolut nicht mehr gefragt. Das krumme Hundchen mit den seelenvollen Augen und dem Herzen einer Jägerin war gekommen. Und sie blieb.

So viele Hunde hatte ich im Laufe von über 20 Jahren der Hundehaltung, des Trainings fremder Hunde und bei der Zucht und Aufzucht gesehen, dass ich einfach nicht verstehe, wie zum Teufel man sich seine Sinne von einer wortwörtlich dahergelaufenen Straßentöle so vernebeln lassen kann.

Der Mann, der dieselbe Anschrift hat wie ich, ist im wahren Leben ein analytischer Kerl, der alles auf mathematische Formeln herunterbrechen kann. Risiken werden kristallklar kalkuliert. Und dann kommt diese Fellnase und alles wird über den Haufen geworfen.

 

Hunde kauft man mit klarem Verstand!

Man überlegt sich, was man will.

Wozu man das Tier braucht.

Bewertet nüchtern, ob der Vierbeiner ins eigene Leben passt.

Basta.

 

Ich habe mich damit abgefunden. Wir alle machen Fehler. Fast alle. Sowas kann mir nicht passieren. In der Ecke meines Browsers blinkt die Website der Riesenschnauzernothilfe und ich stöbere herum. Vielleicht haben die sich ja wieder mal versehentlich ein gut gefülltes trojanisches Mutterschiff unterjubeln lassen? Ist ja immerhin bald wieder Weihnachten. Schadenfroh grinse ich. Dieses Mal gehe ich gar nicht erst ans Telefon!

Ich klicke hier und dort und lese bedauernswerte Geschichten der Hunde, die ein neues Zuhause brauchen. Ein sehr kleiner, sehr struppiger Kerl mit Ringelrute wurde als fröhliches, aber sehr streng riechendes Bündel aus Polen geholt.

Irgendwie süß.

Wenn man kleine Hunde mag.

Also, ich steh nicht auf die kleinen Kläffer. War noch nie mein Ding. Obwohl…niedlich ist der schon. Sieht aber aus wie ein geplatztes Sofakissen. Ich mag ja eher so glatte, gepflegte Rassehunde.

Friedrich der Kurze, genannt Fritz. Haha. Diese größenwahnsinnigen Kläffer kenne ich.

Kann ich nicht leiden, diese Fußhupen, die jederzeit die Backen aufreissen. Ich scrolle und lese und grinse über die Allüren, die das Krummbein so hat. Pisst offenbar in jede Ecke, der Gernegroß. Na, dem würd ich’s geben!

Am nächsten Tag komme ich rein zufällig wieder auf die Homepage. Mal gucken, was der struppige Kackfrosch so macht. „Besitzergreifend bei Spielzeug…“ lese ich und stelle mir vor, wie ich (immerhin habe ich Riesenschnauzer zu Schutzhunden erzogen!) so einen zur Raison bringen würde.

Aber ist ja egal. Was hab ich mit dem wild gewordenen Wischmopp zu tun?

Einen kleinen Kommentar hinterlasse ich auf der Website. Kann ja nicht schaden. Ist ja eher so soziale Kontaktaufnahme. Und irgendwie süß ist er ja.

Abends erzähle ich dem Lakaien der Straßenprinzessin von Fritz und zeige ihm ein Foto.

„Was ist das denn für ein Besen?“

Ich schnappe beleidigt nach Luft.

„Der ist niedlich!“

„Woher willst Du das wissen? Das ist ein Pole! Ruck-zuck sind unsere Autos futsch. Und überhaupt – ich sehe nur Zotteln. Und nen Ringelschwanz. Das fandest Du bislang immer potthässlich.“

Der Rest des Abends verläuft recht still. Als ich irgendwann zum Gatten herübersehe, erwische ich ihn, wie er im Ipad unauffällig die Seite der RSN aufruft.

Nur kurze Zeit später treffen wir durch ungewöhnliche Umstände die netten Menschen der Nothilfe, die uns seinerzeit zum Möhrengemüse gebracht haben. Die wohnen ganz in der Nähe von Friedrichs Pflegestelle in der Pfalz.

So ein Zufall!

Einmal gucken, wie Fritz und Möhrchen so miteinander spielen…das kann ja nicht schaden, oder? Wir machen uns auf den Weg und beim Aussteigen höre ich auf dem Autodach ein verdächtiges Rumpeln. Als ich mich umschaue, sehe ich einen dicken, nackten Knaben mit Pfeil und Bogen flugs hinter einem Gebüsch verschwinden. Vermutlich war der Begrüßungssekt bei unseren Gastgebern mit Glykol versetzt.

Im Garten der Pflegestelle spurtet ein schwarzer Blitz wild kläffend auf uns zu. Möhrchen legt sich tiefer und rollt verzückt mit den Augen.

Hinter dem Gebüsch erspähe ich nun tatsächlich den fetten Amor. Er legt seinen Bogen an und zielt. Das darf ich nicht zulassen! Kein zweites Mal wird dieser italienische Nichtsnutz…

…dummerweise trete ich genau in diesem Moment in ein Maulwurfsloch, stolpere und stürze in die Flugbahn des Giftpfeils. Es tut fast gar nicht weh, stelle ich erstaunt fest. Der Pfeil bohrt sich in mein Herz und ich fühle das zähe Gift in meiner Blutbahn.

Zum ersten Mal erblicke ich ihn. Fritz. Er sitzt vor mir und schaut mich an. Charme ohne Ende. Seine Augen sind dunkelbraun wie süße Nougatseen, sein Fell so glänzend wie polnische Seide.

Zum ersten Mal überhaupt sind Möhrchen und ich absolut einer Meinung:

Dieser Typ da, dieser Kleine: der hat Format!

Ein ganzer Kerl!

Wie der aussieht. Wie er geht. Wie er…einfach alles!

Fritz springt voll süß an mir hoch, ich sinke auf die Knie. Wörtlich. Er schaut mir tief in die Augen und ich weiß – ohne den fahre ich nicht nach Hause.

Wie durch Nebel höre ich den Gatten was von „hochspringen, abgewöhnen und herumkläffen“ sagen, aber es klingt wie fernes Rauschen. Einerlei.

Möhrchen und Fritz tollen gemeinsam über die Wiese und sind fortan für immer unzertrennlich.

Gegen Liebe biste machtlos.

Ist wie Krieg: schnell angefangen und ganz schwer, damit wieder aufzuhören. Warum auch?

Friedrich, der Kurze ist der König vom Kotten.

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