Mahlzeit

Die Sonne brennt – es ist glühend heiß in Deutschland. Mir wird klar, dass ich auch ohne Arbeit recht zufrieden sein kann, solang ich nur im Pool vor mich hindöse und mir ein Lakai mit dem Palmwedel Luft zufächert.

Leider schwirren die Wespen um mich herum, ich höre ein vertrautes Klappern und ich werde unsanft aus meinem Tagtraum gerissen.

Die Straßenprinzessin frönt ihrer Lieblingsbeschäftigung und schnappt routiniert nach den schwarz-gelben Plagegeistern.

Bevor mir wütende Kommentare hinterlassen werden: ich weiß, dass das gefährlich ist. Natürlich möchte ich nicht, dass Möhrchen Wespen fängt und kenne die Risiken.

Gatte (dem Fiee bekanntermaßen hilflos verfallen) verscheucht die widerlichen Wespen hektisch, indem er sie mittels Klatsche in meine Richtung treibt.

Egal, Hauptsache weg von seiner Liebsten.

Möhrchen hingegen hat auf der Wiese mit der Pfote eines der surrenden Biester besinnungslos gekloppt und kurz darauf hören wir dieses unverwechselbare, knusprige Knurpsen, das nur eine Wespe macht, wenn sie genüsslich zerkaut wird.

„Das geht doch nicht gut“, seufzt Gatte besorgt.

Ehrlich – ich mache mir auch Gedanken, was da alles geschehen kann und sehe mich schon, wie ich versuche, das dick angeschwollene Fiee in meinen Kleinlaster zu stopfen, um es zu Onkel Horst in die Praxis zu bringen.

Auf den Aufwand habe ich bei 36 Grad wirklich gar keinen Bock.

„Die hat sicher in Ungarn schon Hunderte von den Mistviechern gesnackt. Wahrscheinlich ist sie immun gegen das Gift. Oder die können sie nicht stechen, weil sie so einen grandiosen Vorbiss hat.“

Gattes Blick trifft mich gletscherkalt von der Seite.

Eigentlich ganz angenehm bei dem Wetter.

„Jetzt grins nicht noch so fies“ tadelt er. „Du machst Dir wohl überhaupt keine Gedanken um das süße Möhrchen, was?“

Bevor ich diesen unhaltbaren Verdacht empört von mir weisen kann, trifft lieber Besuch aus Münster ein. Eingeladen waren lediglich zwei Personen und der Tisch ist auch nur für uns vier gedeckt, aber die Schwärme von Wespen sind nicht pingelig und erwarten kein Geschirr.

Sie machen sich über uns her und die Straßenprinzessin verdreht völlig verzückt die Augen.

Die beherzte Münsteranerin profiliert sich als Massenmörderin und im Nu liegen vier tote Wespen auf dem Tisch.

Möhrchen sabbert begierig. Lecker.

Bevor wir sie abhalten können, nimmt die Münsteranerin eine der schwarz-gelben Plagen in die Hand und zeigt sie dem Fiee.  „Guck, ist nur ne Wespe.“

Schnapp, knusper, schluck.

Weg.

Begehrlicher Blick auf den Tisch. Mehr, bitte.

Fassungslos sieht unser Besuch uns an. „Die frisst die!“

Ich zucke mit den Schultern, während Möhrchen unseren Gast bedrängt, mehr von dem köstlichen Knabberzeug herauszurücken.

„Ja, sie fängt sie sogar aus der Luft“, erkläre ich. „Soll sie zwar nicht, aber sobald sie allein ist, fängt sie direkt wieder an. Ich überlege schon, ob ich sie nicht an einen Kammerjäger vermiete. Oder ich mach ne eigene Rentokil-Filiale auf. Biologische Schädlingsbekämpfung oder so.“

Gatte schnappt nach Luft. Ob er eine Wespe geschluckt hat?

Sein Blick ist schlimmer als jeder Stich es sein könnte.

Ich bin unbeirrt. „Sieh mal, sie hat da ein ganz besonderes Talent. Jagdhund eben. Karnickel geben ihr eben nicht diesen besonderen Kick. Da muss schon was anderes her.“

Er schüttelt den Kopf und sein Mund ist verdächtig schmal. Ganz dünnes Eis.

Unser Besuch spürt die leicht giftige Stimmung und möchte, um unserer Konversation offenbar den Stachel zu nehmen, die restlichen Wespen im Gebüsch entsorgen. Mit wehenden Ohren rast unser Schädlingsbekämpfer hinterher.

Nie sah sie glücklicher aus: hatte ich an anderer Stelle bereits erwähnt, dass Stöbern nach besonderen Leckerchen eine wunderbare Beschäftigungsmethode für Hunde ist?

Nein, liebe Kinder, niemals darf man seinem Hund das Schnappen nach Insekten durchgehen lassen. Das ist gefährlich und unklug.

Es sei denn, man hat einen cleveren Straßenköter daheim. Der passt irgendwie auf sich selbst auf. Ich werde nun mal recherchieren, was man als voll biologisch korrekter Schädlingsbekämpfer so verdient. Vielleicht wird das dann ja diesen Sommer noch was mit Pool und Lakai.

Disclaimer: das auf dem Foto ist ein Bienchen, das völlig freiwillig tot im Garten lag. Eine Wespe kann ich leider nicht fotografieren. Die frisst das Fiee mit affenartiger Geschwindigkeit auf. Sorry.

2 Kommentare zu „Mahlzeit

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