Ekelpakete

Gestern habe ich heimlich begonnen, die ersten Kartons zu packen.

Bücher, Bratentopf, Bikini.

Der Umzug ist unvermeidlich. Ich muss hier weg. Für immer.

Am vergangenen Wochenende war die routinemäßige Entwurmung dran. Klingt schon nicht so lecker. Ist es auch nicht. Früher (also in Zeiten kontrollierter und gewollter Zucht) waren unsere Hündinnen so regemäßig entwurmt, dass ich es als Routine ansah. Zeug rein in das Tier und vergessen. Dass wirklich Würmer im Hund sind, kam mir gar nicht in den Sinn.

Natürlich weiß ich, dass Hunde nie ganz allein sind. Sie tragen Wurmlarven in sich; meist schlummern (oder sollte ich sagen: lauern) diese im Muskel- oder Fettgewebe und werden nur zu bestimmten Zeiten aktiv, etwa während der Trage- und Stillzeit, falls es sich um eine Hündin handelt.

Ich stelle mir vor, dass die ungarische Straßenprinzessin ein Weilchen durch das staubige Budapest streunte, hier und da ein Häppchen Gulasch zugeschoben bekam. Ab und an kraulte ihr jemand versonnen das Ohr, hier und da wurde vielleicht ein leerer Kaffeebecher hinter ihr hergeworfen, wenn sie am Abfalleimer nach etwas Leckerem suchte.

Streuner-Romantik pur eben.

Wurmkuren findet man eher selten in Mülleimern.

Im Tierheim, das in Ungarn ja nun mal die Wartehalle zur Endstation ist, wird Entwurmungsmittel wohl kaum auf dem Plan stehen. Schon toll, wenn alle Insassen überhaupt etwas Futter bekommen.

Kurz und gut: Möhrchen wurde vermutlich niemals entwurmt und entsprechend hat sie die kleinen Parasiten fröhlich und großzügig an ihre bunte Bande weitergegeben. Mit der Muttermilch haben die kleinen Erbsen also auch diese Einlage zu sich genommen. Hatte ich an anderer Stelle über Fertigmilch geschändet? Ich streue Asche auf mein Haupt. Virtuell zumindest.

Die erste routinemäßige Wurmkur vor knapp drei Wochen brachte keine überraschenden Ergebnisse.

Vergangenen Samstag allerdings…nun ja.

Ich werde es mundgerecht servieren – Speitüten bitte bereit halten! Spaghetti sind ein Begriff?

Man stelle sich diese in einem Hundehaufen vor.

Viele Spaghetti. Tote Spaghetti. Dazu Hundehaufen.

Nein, nicht lecker. Gar nicht lecker. Na, noch Lust auf Pasta? Ich nicht mehr.

Aber immerhin ist der Beweis, dass das Zeugs wirkt. So tröste ich den Gatten, der mich entsetzt und mit leicht grünlichem Teint ansieht, als wir den Output einsammeln. Beim ersten Häufchen rede ich ihm und mir noch ein, das wären Tannenadeln.

Oder so.

Aber dann kann es niemand mehr leugnen.

Ich bin auch erschüttert, aber lasse mir nichts anmerken. Zumindest versuche ich es , doch mein professioneller Ausdruck Marke „Profizüchter“ täuscht diesen Mann keine Sekunde.

„Immerhin sind die tot.“ Kein Trost für den Gatten.

Er schüttelt leise den Kopf und wendet sich ab. Ja, ich hatte den Erstkontakt zur RiesenSchnauzer-Nothilfe hergestellt.

Wieder Asche auf mein Haupt. Wird ganz schön staubig heut am Kotten.

Appetit habe ich keinen mehr, ich halte Diät heute. Und den Rest der Woche.

Stattdessen packe ich seitdem heimlich die ersten Umzugskartons. Nur noch rund drei bis vier Wochen, dann ziehen die Welpen aus. Und ich auch! Unbekannt werde ich verziehen, nur weg hier!

Das Handy werfe ich in den Bach, damit mich ja niemand findet. Zur urbanen Legende werde ich werden, die Frau, die angeblich einmal vor Weihnachten ein felliges Findelkind aufnahm und eine farbenfrohe Fußballmannschaft voller Würmer als Belohnung erhielt.

Keine Tierschutz-Orga soll mich je wieder kontaktieren können, herzlichen Dank!

„Aber die Kleinen sind doch so niedlich!“ – ich kann übrigens bis hierher hören, wie die Leser dieses Blog das denken. Seit ich bloggiere, habe ich übersinnliche Fähigkeiten…

Leute…seid doch einfach froh, dass ich Euch das Foto mit dem Spaghetti-Haufen erspare!

Ein Kommentar zu „Ekelpakete

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  1. Herzlichen Dank für diesen hinreißenden Blog. Wenn es mal mit den Flöhen (nein, nicht denen auf dem Vierbeiner, sondern denen im Portemonnaie) nicht klappt: Buchautorin wäre eine Alternative!
    In vielem erinnere ich mich grad selig lächelnd an unsere Setterbabies, die vor nun schon bald 20 Jahren bei uns groß wurden. Aber diese Spaghettigeschichte rief Erinnerungen wach an mein Jahr auf dem Reiterhof. Wurmkuren bei Pferden fördern nämlich auch ab und zu tatsächlich Würmer zu Tage. Allerdings ist es da nicht mit Spaghettis getan, die ähneln eher schon Makaronis. Und ausgerechnet an dem Tag gab es mittags – Makaroniauflauf. Hui, das war eine Herausforderung für die Mägen von uns ‚Pferdemädchen‘ ;-).

    Ich wünsche Ihnen noch weitere wunderbare Wochen mit den Minis, weiterhin so viel Humor für die nicht gar so schönen Aspekte der Welpenzeit und dann ein glückliches Händchen bei der Vermittlung.
    Herzliche Grüße,
    Christiane

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