Preisfrage

Kinderfreundlich, typvoll, bildschön.

So wird in einer virtuellen Bucht unter Kleinanzeigen für Welpen geworben. Wenn man sich da mal umsieht, ist die Hundewelt rosarot. Alle Hunde sind natürlich bestens aufgezogen, sind die geborenen Kinderfreunde, gechippt, entwurmt, können lesen, schreiben, Integralrechnen und so weiter.

In meiner finsteren Vergangenheit als verschlagene, profitgierige Rassehundzüchterin wurde ich häufig damit konfrontiert, dass Mischlinge zum Glück nicht überzüchtet seien und überhaupt viel gesünder. Die Tatsache, dass meine Rassehündinnen (ebenso wie die Deckrüden) allesamt reichlich gesundheitliche und auch charakterliche Vorprüfungen aufweisen mussten, wurde da ebenso gern ignoriert wie der Fakt, dass ein Zuchtwart zumindest zweimal in den 9 Wochen ein Auge auf die wenigstens einigermaßen ordentliche Aufzucht warf.

Ja, in meinen Tagen als Mitglied der Züchtermafia muss ich offenbar täglich in Golddukaten gebadet haben. Nun bin ich deutlich über 40 und kann mich an jene himmlischen Badeorgien im Geldspeicher nicht mehr erinnern. Entweder leide ich an früher Züchterdemenz oder der Gatte hat das viele Geld damals heimlich und ohne mein Wissen für Lakritze verprasst. Vermutlich ist letzteres der Fall.

Jetzt, da ich aber keine Züchterin bin, sondern erhabener Gutmensch, der ein todgeweihtes Mutterschiff nebst felliger Fußballmannschaft beherbergt, bin ich über jeden Zweifel erhaben.

Besucher fragen mich nun also nicht mehr unverblümt und mit vorwurfsvoller Stimme schon im zweiten Satz:

Wieviel sollen die Viecher kosten?“, sondern eher verschämt und verklausuliert:

„Wie viele von den süßen Kleinen sind denn schon…“ –peinliche Pause- „vermittelt?“

Verkauft, allein das Wort ist verpönt.

Dass die Viecher Geld kosten, ist nämlich offenbar anrüchig, und zwar schlimmer als der Haufen, den Paula da grad geschickt auf dem schlafenden Hansi platzieren will. Ich fange das braune Gold mit dem Zewa weg (gelernt ist nun mal gelernt) und blicke dem Frager fest in die Augen.

Verkauft werden die erst, wenn die Interessenten durch die Vorkontrolle sind. Aber es gibt bis jetzt 5 Interessenten.“

Ich spüre, wie die Ohren etlicher weiterer Besucher sich spitzen. Klar, über den Preis will man bei Tierschutzhunden nicht gern sprechen. Bei geldgeilen Rassehundzüchtern ist das was anderes, da kann man hinterher auch verlangen, dass die Viecher quasi perfekt sind für den Preis. Man hat ja schließlich ordentlich gerappt, da darf man was erwarten.

Aber sollen denn diese Tierschutzhunde was kosten? Immerhin sollten diese Tierschützer doch froh sein, wenn man den Viechern ein Zuhause gibt!

Ein Familienvater schaut versonnen auf seine drei Blagen, die sich grad gegenseitig im Welpenauslauf mit Rindenmulch bewerfen. Hinter des Vaters Stirn ist deutlich zu sehen, dass er kalkuliert, ob er seine Brut eventuell einfach in der Bucht verbimmeln kann und sich für den Erlös einen Hund kauft.

Ich bin Gutmensch und kann nicht anders.

Brav doziere ich, was Welpenaufzucht so kostet. Das ist übrigens nicht so sehr viel günstiger, wenn man eine ungarische Straßenprinzessin und ihr Gefolge aufzieht. Möhrchen hat ebenso viel Hunger wie edle Muttertiere mit Ahnentafel und genauso ist es mit den Ablegern. Onkel Horst ist Tierarzt aus Leidenschaft, aber leider nicht als Hobby. Daher berechnet er die unvermeidlichen Microchips, Wurmkur, Impfungen und Behandlungen ohne Ansehen von Adel und Abstammung.

Im Welpenhaus sorgt eine elektrische Fußbodenheizung dafür, dass das Möhrengemüse es kuschlig warm hat. Bei den derzeitigen Temperaturen im Bergischen hat das den Effekt, dass der örtliche Energieversorger wöchentlich eine Koks-Party schmeißt und die Gehälter aller Mitarbeiter um 10% angehoben wurden.

Dabei ist noch gar nichts „schief gelaufen“. Kommen gesundheitliche Probleme hinzu (die haben auch gesunde Mischis, echt!), dann kann es schnell zum finanziellen Wagnis werden, einen Wurf junger Hunde aufzuziehen. Bei uns war das bisher „nur“ ein akuter Anfall von Brexit, aber da der natürlich am Sonntag auftreten musste, ratterte der Kosten-Taxameter bei der Riesenschnauzer-Nothilfe munter vorwärts, bis die wackeren Menschen dort Schwindelanfälle bekamen.

Gretchen nagt unbeeindruckt von meinen Ausführungen ein Loch in meine Stiefel. Diese Kosten kann ich wohl kaum der Aufzucht zurechnen.

Rasseköter oder bunter Mischling – unabhängig vom Preis finde ich: sie haben alle ihren Wert.

4 Kommentare zu „Preisfrage

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  1. Schönes Foto
    👍 super geschrieben, der „Anschaffungspreis“ steht in keinem Verhältnis zum drohenden“Unterhalt“ .🤓🤓 Mischis oder Rasse, der Unterschied ist die Optik und nicht der Hunger oder drohende Erkrankungen.

    Ich bin stolz auf euch, denn die Liebe die ihr den Rackern gebt und die Zeit und Mühe, die ist eh unbezahlbar . Nicht „Geiz ist geil“ sondern „Qualität“ hat ihren Preis “ und „Garten“ statt „Kofferraum“..
    Und wer kann schon einen Haufen fast im Flug fangen….😄😄ich hab gerade Kopfkino 🤗🤗 der weiß wie es geht…eine liebevolle und richtige Aufzucht.

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  2. „Hut ab“ vor diesem liebevollen Einsatz für diese Rasselnde und die reinrassige ungarische „Straßenprinzessin“, sie hat ihr Schloss bei euch gefunden und euch schon zu ihrem perfektem Hofstaat ausgebildet. Ich denke ihr habt in ihrem Sinne die Probe bestanden und seid würdig, dass sie bei euch residiert.
    Spaß beiseite: Ich habe allen Respekt vor eurer Leistung, von heute auf morgen diese Entscheidung zu treffen und mit so viel Herz und Verstand, eingebettet in Humor dieser Rasselnde einen Einstieg in ein gutes Leben zu ermöglichen.

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