Reich und berühmt

Onkel Horst ist Tierarzt, aber auch Menschenkenner. Als er hörte, dass wir Möhrchen nebst Blagerei übernehmen, kommentierte er zielsicher, das brächte für uns einen sozialen Aufstieg mit sich.

Gutmenschen steigen nämlich in der Achtung ihrer Mitmenschen. Toll, oder?

Kurz vor Silvester nehme ich die Straßenprinzessin an die Leine und trabe mit ihr durch die verregneten bergischen Wälder. Von Ferne sehe ich einen Hünen mit zwei freilaufenden Mammuts, die ungebremst auf uns zudonnern, als sie uns entdecken. Offenbar heißen diese Viecher „Neee!“ und „Hierbleiben!“, denn dass brüllt der menschliche Schrank ihnen nach.

Ich genieße das Gefühl pulsierenden Blutdrucks in meinen Schläfen und überlege, ob sich so wohl ein Hirnschlag anfühlt.

In jenen Tagen, als ich mit meiner Krawallschachtel Tyga das Bergische von Gesinde befreit habe (ja: als die Menschen meine Riesenschnauzerhündin sahen, brachten sie sich und ihre Vierbeiner in Sicherheit!), hätte ich gedacht „Okay, die zwei da möchten eben das neue Jahr nicht erleben.“

Nun aber stürzen sich die Zottel auf Möhrchen und ich erkenne zwei Dinge:

  1. Das sind gar keine Mammuts, sondern so eine Art Hunde.
  2. Möhrchen hat die Ruhe weg und wedelt die Viecher einfach an.

Kurz darauf bekomme ich wieder etwas Luft in die Lungen und der tätowierte Koloss quietscht in erstaunlich hohen Tönen „Da isse ja, die Mama! 11 Stück hatse, woll? Voll super, dass Du das machs!“

Nach dem milden Infarkt von vorhin braucht der Sauerstoff einen Augenblick, um in meinem Hirn anzukommen und die Info in die richtige Schublade zu sortieren.

Ich sehe, wie der Typ seine suppenschalengroße Pranke sachte auf Möhrchens Kopf legt und sie zart liebkost. Auf seinem Handrücken prangt ein tintiger Totenkopf, der mir fröhlich ein Auge zuzukneifen scheint.

„Äh. Ja..“ hauche ich…“woher…?“

„Ach, is alles bei Fehsbuck. Mit Fotos.“

Ja, das war auch mit der RiesenSchnauzerNothilfe abgesprochen, natürlich ohne Anschriftenangabe, damit nicht alle Rocker in Scharen bei uns aufschlagen, um uns vor Freude herzlich auf die Schulter zu klopfen. Aber gute Nachrichten machen offenbar ganz allein die Runde.

Totenkopf-Thorsten lächelt mir noch mal zu „Jo. Bis bald, dann, woll…“

Wir sind also berühmt.

Ein wenig, immerhin. Bestimmt sind wir bald auch reich.

Möhrchen zieht an der Leine und pinkelt, offenbar völlig unbeeindruckt von ihrem Ruhm. Klar, Onkel Horst hatte es ihr ja gleich gesagt und im Gegensatz zu mir hat sie es direkt geglaubt.

Ich muss jetzt aber los, Autogrammkarten für meinen Wurf Bergischer Jagdschnauzer und ihre berühmte Mutter drucken lassen.

Bis denn, woll!

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