Möhrengemüse an den Festtagen

Bei den Deutschen sind Kartoffelsalat und Würstchen über die Weihnachtstage sehr beliebt. Manchmal gönnt man sich auch etwas und dann kommt eine Gans auf den Tisch. Eintöpfe sind eher etwas für den Alltag.

Bei uns aber gab es über die vergangenen Feiertage Möhrengemüse. Gatte und ich sind beide Freunde guter (und leider zuweilen auch reichlicher) Speisen und Getränke, aber dieses Mal hatten wir anstatt feiner Lachshappen bergische „Möhren untereinander“ zu bewältigen.

Bisher hatte ich wohl zu erwähnen vergessen, dass unser ungarisches Mutterschiff außer einem entzückenden Vorbiß eine weitere anatomische Besonderheit hat: ganze sieben (!) Zitzen zieren ihren Unterboden.

Jawoll.

Noch mal nachzählen: 11 kleine Erbsen, 7 Zitzen.

In Mathe war ich noch nie gut, aber ich hatte gleich den Verdacht, dass da irgendwas nicht hinhaut. Der Gatte hat zum Glück was mit Zahlenkram studiert und klärt mich auf: Das passt nicht.

Doof.

Flaschenfütterung stellt sich der Laie ganz einfach vor: Milch in Pulle, Pulle in den Hals, Hundchen satt.

Nö. So ganz einfach ist das nicht. Wer erstmal nen ordentlichen Schluck aus der Pulle hatte, ist meist zu faul, sich an Mamas Nippeln abzurackern.

Und auch wenn der nette Herr Hipp immer treuherzig in die Kamera lächelt und jungen Müttern kompetent versichert, dass sein Pulver echt das Beste ist, was man seinem Kind antun kann (immerhin steht der doch dafür mit seinem Namen!), möchte ich doch darauf verzichten.

Ich glaub, echte Möhrenmilch ist irgendwie besser für unsere Erbsen.

Das bedeutet, dass wir am laufenden Band an- und abdocken, damit jeder mal zu seinem Recht kommt. Im TV schallern die Wiener Sängerknaben, dass uns ein Kindchen geboren sei und ich male mir aus, wie leicht Maria das wohl mit bloß einer einzigen Blage hatte.

Nebenher erlegt der Gatte ein Rind nach dem nächsten und karrt Napf um Napf bestes Futter für unser Mutterschiff heran. Möhrchen hält huldvoll Hof, schleckt Calcium mit Traubenzucker, speist an den Festtagen wie die Römer im Bettchen und beschließt, nie wieder die Wurfkiste zu verlassen.

Tatsächlich müssen wir die Möhre unter Androhung feinster Hühnchenstreifen (und indem wir die Brut schlicht aus der Kiste herausnehmen) davon überzeugen, auch nur eine Minute in den Garten zu schreiten, um mal nun ja…zu tun, was auch Straßenprinzessinnen besser nicht im Haus tun.

Stolz, sehr stolz bin ich auf diese junge Hündin: grad ein Jahr alt, eine Odyssee hinter sich und solche Instinkte!

Eine echte Bilderbuch-Mutter.

Da war es wieder, dieses leicht schrille Karma-Kichern, gefolgt von einer inneren Stimme: wart’s ab, das bleibt nicht so…

An Weihnachten hielt ich das allerdings noch für heiliges Glockengeläut.

War es aber nicht.

2 Kommentare zu „Möhrengemüse an den Festtagen

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