Die Niedlichkeitsfalle

Wenn Sie schon mal einen Welpen zu sich genommen haben, kennen Sie das: der Kleine ist frisch von Geschwistern und Mama getrennt, die Umgebung ist neu, alles ungewohnt und Ihr Herz schmilzt beim Anblick des etwas verloren wirkenden Fellknäuels. Wenn sich das Tierchen dann noch vertrauensvoll an Sie schmiegt und mit seinen Kulleraugen zu Ihnen aufblickt, haben Sie garantiert vergessen, dass die verantwortungsvolle Züchterin Ihnen geraten hatte, direkt am ersten Tag alle Regeln zu installieren, die nötig sind:

Es geht nicht auf die Couch, ins Bett schon gar nicht.

Gefressen wird, wenn Sie das Futter hinstellen. Will der kleine Knöterich nicht so recht, dann wird nach 10 Minuten der Napf entfernt und es gibt auch nichts „Besseres“.

Oh, diese hartherzigen Züchter!

Bei Ihnen ist natürlich alles ganz anders. Der kleine Hund ist zuckersüß, von der Natur mit Kindchenschema par excellence ausgestattet und Sie geraten spätestens nach einem Tag ins Wanken.

Nur einen Moment auf dem Sofa gemeinsam kuscheln…

Hach, rohe Fleischabfälle (Trockenfutter, Dosenfraß oder was auch immer Sie in den Napf bringen) riechen nicht so gut wie gegrillte Dorade; klar, dass Hundchen seelenvoll auf Ihren Teller guckt.

Und -schwupps- geraten Sie in die Niedlichkeitsfalle.

Innerhalb kürzester Zeit hat Ihr Hund (nein, nicht die Weltherrschaft, das wollen die meist gar nicht!) die Aufsicht über Ihren Haushalt an sich gerissen und Sie überlegen sich, ob Sie abends noch auf eine Scheibe Fleischwurst an den Kühlschrank gehen können, weil Lulu (oder Guinness oder wer auch immer) nämlich dann wach wird, weil er seinen Anteil will. Und der Hund schläft doch grad so schön! Auch eine Art Diät. Sagt man nicht immer, Hunde seien gut für die Gesundheit?

Tja. Das kann mir nicht geschehen. Ich habe reichlich Welpen aufgezogen und bin immun gegen Niedlichkeitsgedöns.

Süßizität perlt an mir ab.

Ach ja, Möhrchen. Ein Hund aus dem Tierschutz!

Tötungsstation!

Herrje, wem würde da nicht das Herz überquellen: trächtig grad noch dem Henker von der Schüppe gesprungen!

So mager, so hungrig, so anschmiegsam. Gern auch auf der Couch. Wollen wir, sollen wir…? Der Gatte zuckt gleichmütig die Achseln. Mist. Ich hatte darauf gesetzt, dass er konsequent ist.

Unser Notfell benimmt sich in der ersten Woche mustergültig. Kein Diebstahl, keine zerfetzten Sofakissen, nur ein paar kleine Seen im Wohnzimmer, aber – ach Gott – die ist ja trächtig. Im wahrsten Sinne: Schwamm drüber.

Hunger hat sie. Bestes Trockenfutter gibt es, weil wir mit Fleisch und Gemüse allein nicht genug an den Hund dranbekommen bis zur Geburt.

Pfannkuchen, dazu etwas Honig. Schleck. Schmeckt der Prinzessin.

Fettrand vom Schinken. Starr schaut sie mich an, als ich das Brot mit dem Schinken essen möchte. Na gut, ein Leberwurstbütterchen schadet nicht. Das Möhrchen kann es brauchen!

Nein, wir sind natürlich nicht in die Niedlichkeitsfalle geraten – wie auch? Wir sind Profis.

Wir kümmern uns höchst kompetent und mit Augenmaß um dieses in Not geratene Tierchen, das ein wenig Verwöhnprogramm verdient hat. Bei uns ist alles ganz anders!

Bevor Möhrchen uns innerhalb einer Woche erzogen hat, geht die Geburt los.

Davon mehr im nächsten Beitrag.

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