Bergisch Troja

Beinahe hatte ich mich an mein sauberes und gepflegtes Heim gewöhnt, als die Büchse der Pandora geöffnet wurde. In der griechischen Mythologie geht man inzwischen mit der Zeit: Pandora kann Emails schreiben.

Die RiesenSchnauzerNothilfe hatte eine Riesenschnauzer-Mix-Hündin aus einer ungarischen Tötungsstation gerettet und in eine Pflegestelle gebracht. Dort angekommen, machte sie dann recht bald einen scheinschwangeren Eindruck. Kennen Sie den Begriff „scheinschwanger“? Das besagt in der Hundewelt, die Hündin bildet sich ein, Welpen zu bekommen. Eingebildete Welpen sind was Feines.

Machen keine Arbeit.

Keine Sorgen.

Haben keinen Hunger.

Stinken nicht.

Hatte ich bereits erwähnt, dass es bei mir im Wohnzimmer müffelt?

Ein Tierarztbesuch brachte Gewissheit: das Tier ist gar kein ungarischer Hund, sondern ein trojanisches Pferd. Schon bald würden mindestens 10 muntere Trojaner schlüpfen, um das Reich desjenigen zu erobern, ach was, zu verwüsten, in dem das Mutterschiff derzeit weilt.

Diese Tierschutz-Organisation besteht aus wirklich vernünftigen Menschen, die mit Augenmaß schnell erkannten: das können wir nicht leisten; bei uns hat niemand die erforderliche Erfahrung, Möglichkeiten und die unverzichtbare Portion Irrsinn. Aber da waren doch diese ehemaligen Züchter, die sich mit dem Gedanken trugen, einen Hund…was wäre…?

Es war kurz vor Weihnachten, als Pandora also eine Mail sandte und der Gatte die Büchse mit einem Klick öffnete. Ebenfalls geöffnet wurden unsere adventlich gestimmten Herzen. Da kann man doch nicht „nein“ sagen, oder? Ist ja nur vorübergehend!

Kurz und gut: am nächsten Tag wurde das Mutterschiff ins bergische Troja verfrachtet, wo wir munter und völlig freiwillig unsere Tore öffneten. Nun ja – „Riesenschnauzer-Mix“ ist ein dehnbarer Begriff. Das Tierchen ist schwarz. Das ist mein Humor auch zuweilen und trotzdem ist der kein Riesenschnauzer. Ach, ist ja nur zur Pflege. Vorübergehend! Dieses krumme Fellchen wird keinesfalls hierbleiben. Mein erster Gedanke beim Anblick des klappermageren Hundchens: „Was für eine Möhre.“ Also wurde aus der rassigen „Raisa“ ein „Möhrchen“.

Ich kann nur sagen: krasse Fehleinschätzung. Dieses Tierchen ist allerhand: überlebenswillig, gutmütig, wehrhaft, immer hungrig, anschmiegsam.

Aber gerissen. Sehr gerissen.

Ganz sicher keine Möhre. Dieses Vieh, rappeldürr und randvoll mit kleinen Skeletten (haben Sie schon mal ein solches Röntgenbild gesehen? Da kann Hollywood mit „Alien“ einpacken!) hat innerhalb von Sekunden begriffen, wie der Hase bei uns weht. Und sie hat unsere inneren Widerstände kalt lächelnd untergraben.

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