Hundefreie Zone

Kennen Sie das? Sie wischen Ihren Fußboden und der bleibt einfach sauber…

Sie holen sich eine frisch gewaschene, weiße Bluse aus dem Schrank und kein einziges Haar hängt daran…

Sie setzen sich in Ihr Auto und riechen keine die Atemwege verätzende Mischung aus giftigem Tannenbaumaroma und muffigem Fell, sondern…nichts…

 

Gut, dann haben Sie eben keinen Hund und ich vermute, dann lesen Sie auch überhaupt nicht diesen Blog; warum sollten Sie auch? Die anderen unter Ihnen wissen, was ich meine.

Nachdem mit Distel unsere letzte Riesenschnauzerhündin hochbetagt gestorben war, lebten wir eine ganze Weile in dieser hygienischen Blase. Unsere Couch hatte kein individuelles Pfotenmuster, anstatt ausgelatschter Matschboots zierten elegante High Heels das Schuhregal und vor der Tür stand ein adretter Blumenkübel anstelle eines Regals mit nassen, dreckverkrusteten Handtüchern. Im Haus standen Bodenvasen mit weißen Lilien und es duftete nach frischen Zitrusfrüchten. Nun ja. Fast. Manchmal. Kann sein. Meist eher nicht. Aber es war leidlich sauber. Ab und an.

Vielleicht wäre ein Hund doch wieder ganz schön? Abwechselnd malten der Gatte und ich uns also aus, wie schön es doch damals war. Wie wunderbar gemütlich ist es doch, abends am Kamin eine Hundenase zu herzen. Wie lacht doch das Herz, wenn man heimkommt und der Vierbeiner sich so freut, wie es kein Partner kann (oder will, das muss an dieser Stelle mal gesagt sein!).

Wir streckten also unsere Fühler aus. Ein Tier mit Bart sollte es schon sein, aber es könnte doch auch mal ein „Notfell“ einziehen? Wie wäre es, sich mal als Gutmensch aufzuführen und einem armen Hund eine zweite Chance zu geben? Hach – muss das schön sein, ein Tier zu retten. Tja, und fürs Karma gibt es ja quasi nichts Besseres! Im Hinterstübchen meines Hirns hörte ich zu diesem Zeitpunkt ein Kichern, was ich jedoch ignorierte. Heute weiß ich, mein Karma lachte sich kaputt und wälzte sich vor irrem Vergnügen auf dem Boden.

Die RiesenSchnauzerNothilfe ist eine ehrenwerte Organisation, die sich um in Not geratene Schnauzer aller Größen und deren Mischlinge kümmert. Ohne jede Ironie: toll! Immer wieder fand ich mich auf deren Website wieder, las die Schicksale der dortigen „Pflegis“ und wägte ab. Hin und wieder wurde der Gatte herbeizitiert: „Guck mal, ist der süss!“ Meist bedachte mich der Mann, der mein Leben teilt mit einem Blick, der mich fürchten ließe, er packe grad in Gedanken seine Koffer.

So ging es eine ganze Weile:

„Der gefällt mir.“

„Mir nicht.“

„Mir aber.“

„Spinnst Du?“

Schweigen. Stilles Abendessen. Prima.

Wir können uns also sogar ohne Hund über unseren Hund streiten. Grandios, das muss uns erst mal einer nachmachen!

Inzwischen hatte ich gar eine Terrier in Not Orga kontaktiert, was in meinem Freundeskreis spontan dazu führte, um meine geistige Gesundheit zu fürchten. Bitte nicht falsch verstehen: Terrier sind wunderbare Hunde! Aber…Nicole und ein Terrier? Oder noch deutlicher: Nicole und ein NICHT-Schnauzer? Undenkbar.

Denken Sie sich an dieser Stelle einfach wieder ein keckerndes, schrilles Geräusch. Das ist mein Karma. Das lacht sich grad kaputt.

5 Kommentare zu „Hundefreie Zone

Gib deinen ab

  1. für einen schnauzer braucht man vier eigenschaften: konsequenz, geduld, liebe und HUMOR…. wem es an irgendwas davon mangelt: bitte weitersuchen…. 😀
    und außerdem: was nützt einem eine leidlich saubere bude, wenn ein plätzchen im herzen unbewohnt ist?
    toll geschrieben, freue mich über fortsetzungen!!!

    Gefällt mir

  2. Vor kurzem mussten wir uns von unserem Schnauzermischling Chicco nach 11 Jahren verabschieden. Die letzten beiden Jahren haben wir mehr oder weniger den „Liebsten“ in seinem eigenen Rhythmus begleitet, er war blind und taub und auch so ein bisschen tüttelig, aber immer an uns orientiert. Und wenn uns dann seine „Schnauzeraugen“ anguckten, ging das Herz auf und die Welt war in Ordnung. Jetzt nachdem er gegangen ist, sollte erst einmal Pause sein – ja es stimmt, es riecht nicht mehr nach einem alten Hund, vor der Haustüre sieht es anders aus und der ganze Tagesablauf ist anders – aber es fehlt auch was – und jetzt weiß ich ganz deutlich was fehlt – ein Hund und wahrscheinlich ein Schnauzer. Die Racker von Möhrchen lassen das Herz aufgehen, mit einem von ihnen die Welt erkunden. Ich spür es ganz deutlich: Mit Hund ist die Welt einfach schöner.
    Der Blog ist ehrlich, herzlich und auch ein bisschen verrückt – einfach so wie es ist.
    KÖSTLICH

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: