Wie konnte es nur dazu kommen?

Der Reihe nach…

An dieser Stelle würde ich gern behaupten, ich hätte ja gar nicht gewusst, auf was ich mich da einlasse. Wäre aber gelogen. Und soll man sein Blog direkt mit einer faustdicken Lüge beginnen? Kann man machen. Stinkt aber.

Ach ja, stinken ist ein gutes Stichwort. In meinem Wohnzimmer stinkt es derzeit, zwar nicht zum Himmel, aber immerhin bis zur Zimmerdecke – reicht auch. Und das kam so:

Jahrelang hatten wir Riesenschnauzer, meist gleich zwei oder auch mal drei dieser prächtigen Hunde. Wer einmal mit der Hundehaltung beginnt, kennt diese schleichende Frage: wäre es nicht schön, wenn wir noch einen dazu..? Also zog eine weitere Hündin ein, ich schleppte mich im Frühtau (nein, nicht zu Berge) über feuchte Felder, legte Fährten, ließ meine schwarzen Kraftpakete den „Helfer“ (ein meist freundlicher Herr in Lederkluft, der sich sonntags gern mal von fremden Viechern in den Arm beissen lässt ) umwalzen und legte Prüfungen ab. Wer solche tollen Hündinnen beherbergt, wird dann auch gefragt, ob die denn nicht mal ihre tollen Anlagen weitergeben würden…und so machte ich das Züchterabitur, büffelte Genetik, lernte das kleine, tierärztliche Einmaleins und hieß meinen Zwingerboy (ja, mein leidgeprüfter Gatte mutierte in jener Zeit zum Zuchtgehilfen) eine Wurfkiste zimmern, einen Auslauf bauen und so allerlei offenbar nötiges Welpengedöns klöppeln.

Wir zogen also gesunde, muntere Würfe auf, fütterten unsere Mini-Riesen mit feinstem Fleisch, hätschelten die kleinen Verbrecher so dermaßen, dass kaum ein Interessent sich in der Lage wähnte, den Fellmonstern annähernd ein adäquates Zuhause bieten zu können nach dem Paradies, das wir ihnen boten.

All das ist nun Äonen her. Aus den Welpen wurden gestandene Riesenschnauzer, Welpenkäufer zu Freunden (selten auch zu innig ungern gesehenen entfernten Bekannten) und schließlich wurden auch die ersten Riesen alt und starben. Unsere Züchtertage sind vergangen und wir denken mit einem Lächeln an die wunderbare Zeit zurück.

Wie das so ist, wenn etwas länger vergangen ist, scheint ein goldenes Licht auf jene Tage. Ich erinnere mich an warme Tage auf einer saftigen Wiese, wonnige Fellknäuel, die sich im Sonnenlicht balgen, eine zufriedene Mutterhündin, die neben mir im Gras liegt.

Nun ja. Mag sein, dass es auch jene Augenblicke gab. Vielleicht.

Die kalte Realität hat mich jedenfalls eingeholt. Im Wohnzimmer stinkt es bestialisch, wie gesagt. Das Gequäke kleinster Wölfe sägt an meinen Nerven.

Eine struppige Hündin bestellt vehement feinstes Hack und ihre Augen, sonst so seelenvoll, durchbohren mich mit Abscheu, wenn ich das Wort „Trockenfutter“ auch nur denke.

Wie konnte ich es nur wieder soweit kommen lassen?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑